Erfahrungsberichte

Die Gewinner des Tandem-Fotowettbewerbs stehen fest!

Was erlebt Ihr zusammen im Tandem – was ist am Schönsten an Eurer Zeit zu zweit? Bringt das aufs Foto! Das war der Aufruf, den wir Anfang Juli an unsere Tandems gerichtet haben. Drei Monate später hatten wir insgesamt 39 einfallsreiche, wunderschöne Tandem-Fotos.

Die Bilder waren so schön, dass wir nicht alleine entscheiden konnten, wer den ersten Preis gewinnt. Deshalb haben wir die Kinder und Erwachsenen auf unserem ersten Kinderfest am 16. Oktober in der Festhalle in Feuerbach entscheiden lassen und sie haben voller Begeisterung für ihre Lieblingsbilder ihre Stimmen abgegeben.

Die Entscheidung der Besucher wurde noch am gleichen Tag ausgewertet und die vier Gewinner-Tandems auf der Bühne mit einem Preis ausgezeichnet. Wir danken allen Teilnehmern für die wunderbar kreativen Einsendungen!

Herzlichen Glückwunsch an die 4 Gewinner!

Insgesamt 61 bunte Klebepunkte und damit den 1. Platz erreichten Sarah und ihre Mentorin Martina.

Einen tollen zweiten Platz belegen Marvin und sein Mentor Johann mit ihrem gemeinsamen Siegerfoto.

Punktgleich erreichen 2 Tandems den 3. Platz. Elsa und ihre Mentorin Christine im Maislabyrinth sowie Diana und ihre Mentorin Kristina beim Blumen eintopfen.

Unser Tandem der ersten Stunde in Stuttgart

Marvin, 8 Jahre und Johann

Marvin (8 Jahre) und Johann (29 Jahre) sind ein Tandem der ersten Stunde in Stuttgart. Ihre Treffen sind immer unglaublich erlebnisreich und sie sind voller Schaffensdrang, wie beide stolz berichten:
„Wir haben schon gebastelt und Weihnachtsdekoration in Johanns Wohnung aufgehängt. Dann haben wir z.B. eine tolle Schlittenabfahrt hinunter nach Obertürkheim gemacht und auch mal ein defektes Elektroauto zerlegt und wieder flott bekommen. Und hinterher wird immer ordentlich gekocht und gefuttert.“
Man merkt, den beiden schmeckt es nicht nur gut, es geht ihnen auch richtig gut miteinander. Marvin kommt, so berichtet seine Mutter, immer total glücklich von den Treffen nach Hause.
Wir freuen uns mit den beiden und wünschen ihnen noch viele wunderschöne und spannende Nachmittage zusammen!

Neue Erfahrungen für Valerio

Fernsehturm und Tütenrutschen

Valerio (13 Jahre) und Gunther Verleger sind ein Tandem und treffen sich regelmäßig einmal in der Woche, außer als Valerio einmal krank war.
Zusammen haben sie z.B. schon den Fernsehturm bestiegen und die tolle Aussicht über Stuttgart genossen: „Da war es ziemlich frisch und zugig!“
„Und das letzte Mal waren wir Tütenrutschen. Das hat uns echt richtig viel Spaß gemacht! Und es war ganz schön anstrengend immer wieder den Berg hochzukommen.“ Eine tolle Idee, nicht wahr?
Pläne, was sie weiter machen wollen, habe sie jede Menge, aber das wird hier nicht verraten.
Die Lehrerin von Valerio jedoch merkt schon jetzt erste Veränderungen: „Valerio macht seine Hausaufgaben viel zuverlässiger. Und jedesmal, wenn er voll Stolz wieder von seinem Tandemtreffen erzählt, strahlen seine Augen.“
Auch wir freuen uns, dass es den beiden so gut geht und sie nicht nur Spaß miteinander haben, sondern dass auch bereits erste positive Entwicklungen erkennbar sind.

"Du schaffst das."

Wie Ugur durch seinen Mentor Gerhard Steeb ermuntert wird

„Jaaaaa!!!!!!!“ tönt ein Freudenschrei durch den Speyerer Kletterwald. Ugur ist glücklich: Er hat es geschafft, von einem Baum zum anderen zu balancieren – in stolzen sieben Metern Höhe, wo auch manch Großer weiche Knie bekommt. Unbedingt wollte der Zehnjährige mit seinem Mentor Gerhard Steeb in der Waldanlage klettern gehen, die er schon einmal mit seiner Schulklasse besucht hatte. Unten am Boden, gleich hinter dem Eingang, hatte er ihm noch gezeigt, wo’s langgeht und wie man die beiden Karabinerhaken des Klettergurts richtig einhängt. Doch dann verließ ihn mitten im Parcours der Mut, und er stand zögernd auf einer Plattform. „Du schaffst das“, ermunterte ihn sein Mentor, und tatsächlich, nach längerem guten Zureden, packte Ugur das herunterhängende Seil zum Festhalten und traute sich, loszubalancieren. Klar, dass die Begeisterung sich in einem Tarzanschrei entlädt, als er glücklich die andere Seite erreicht hat.
Seit Anfang April 2007 bildet Gerhard Steeb ein Tandem mit dem Jungen, der nach den Ferien in die vierte Klasse kommt. „Ugur hat keine Geschwister, und wir können aus gesundheitlichen Gründen nicht viel mit ihm machen“, sagt seine türkische Mutter, die seit 35 Jahren in Deutschland lebt. „Wir sind froh, dass sein Mentor etwas mit Ugur unternimmt und unser Sohn nicht immer vor dem Fernseher sitzt.“
Gerhard Steeb hatte in der Zeitung von Big Brothers Big Sisters Deutschland gelesen und sich noch am selben Tag gemeldet – ebenso wie seine Frau. Er ist in Altersteilzeit und hat bis vor kurzem bei DaimlerChrysler in Stuttgart gearbeitet. „Ich habe eine Lehre als Kfz-Mechaniker und den Meister gemacht, anschließend Wirtschaft studiert und dann, mit 33 Jahren, bei Daimler angefangen. All die guten Erfahrungen, die ich gemacht habe, im Studium und in der Arbeit, möchte ich jetzt gern weitergeben“, erzählt der 61-Jährige, der selbst keine Kinder hat. „Ich möchte Ugur vermitteln, dass es sich lohnt, sich in der Schule anzustrengen“, erklärt Steeb und fügt schmunzelnd hinzu: „Und Sport müssen wir mit unserer Figur beide machen.“
Der Speyerer trifft sich häufig mit Freunden zum Schwimmen, fährt Rad, und er dreht regelmäßig seine Runden im Wald mit Mischlingshündin Polly. Nun freut sich Ugur, wenn er ihn dabei begleiten kann. Und Polly setzt sich brav, wenn Ugur „sitz!“ sagt, weil sie weiß, dass sie dann ein Bröckchen Hundefutter aus seiner Hosentasche bekommt.
An diesem Ferientag im Juli wollen die beiden nach dem überstandenen Kletterabenteuer noch schwimmen gehen, obwohl dunkle Wolken am Horizont Richtung Heidelberg hängen. „Das wird schon wegziehen“, ist Steeb überzeugt. Den Badesee haben sie fast für sich allein, nur zwei andere Kinder sind im Schlauchboot unterwegs. „Das Wasser ist wärmer als die Luft“, stellt Gerhard Steeb fröhlich fest, und Ugur will am Ende gar nicht wieder raus aus dem See.
Der Mentor ist nach wenigen Monaten schon ein großer Freund für ihn geworden, und die ganze Familie ist froh über sein Engagement. Als Ugur nicht an einer Klassenfahrt in den Pfälzer Wald teilnehmen mochte, bat seine Mutter Gerhard Steeb um Unterstützung. Der beriet sich mit einer Mitarbeiterin von Big Brothers Big Sisters und gab dann dem Jungen ein Kuscheltier mit einem Zettel mit, auf den er geschrieben hatte: „Ugur, du schaffst das“. Außerdem versprach er ihm, zur Belohnung ein Fest zu besuchen und dort mit ihm Karussell und Autoscooter zu fahren. Derart motiviert, traute sich der Junge dann doch. Und wie war es? „Es hat Spaß gemacht“, sagt Ugur und strahlt dabei fast so sehr wie auf dem Baum im Kletterwald.

Eine andere Sicht auf die Dinge entdecken

Eine Mentorin aus Speyer erzählt, warum sie mitmacht.

„Ich wollte mich schon seit einiger Zeit sozial betätigen und war auf der Suche nach einem geeigneten Angebot, als ich auf das Mentorenprogramm von Big Brothers Big Sisters Deutschland stieß. Das war genau das Thema, das mich bewegt. Viele regen sich auf über Jugendliche, die nur rumhängen oder vor dem PC sitzen, Ich finde, wir sind alle aufgerufen, etwas zu tun, um der Jugend, die unsere Zukunft ist, andere Perspektiven aufzuzeigen. Der Mentoring-Ansatz ist super, weil Kinder am meisten mitnehmen, wenn sie etwas einfach vorgelebt bekommen.
Ich habe mich gleich angemeldet. Dass ich ein Führungszeugnis und drei Referenzen abgeben musste, hat mich nicht gestört – im Gegenteil. Es zeigt mir, dass es um eine seriöse Sache geht und dass die Auswahl der Mentoren ernst genommen wird.
Ich selbst habe keine Kinder. Für mich ist es toll, dass ich als Mentorin mit jungen Menschen in Kontakt komme. Ich fange an, über Dinge nachzudenken, mit denen ich mich vorher nie beschäftigt habe. Mein Mann findet die Idee ebenfalls toll und unterstützt mich sehr darin.
Nach der Aufnahme in das Programm gab es in Ludwigshafen einen Workshop zur Einführung. Das war eine sehr interessante Erfahrung, denn ich habe entdeckt, dass es auch eine andere Sicht auf die Dinge geben kann. Wir haben unter anderem den Fall durchgespielt, dass ein Kind fragt: „Kaufst Du mir etwas?“ Ich bin so erzogen worden, dass man grundsätzlich nicht um etwas bettelt, nicht mal um Kleinigkeiten. Auch für mich selbst würde ich im Kino nie Popcorn oder eine Cola kaufen. In der Diskussion stellte sich heraus, dass jüngere Mentoren größere Geschenke ebenfalls höchstens zum Geburtstag machen würden, aber kein Problem damit hätten, dem Kind eine Brezel oder ein Eis zu kaufen, wenn es danach fragt. Das hat mich erstmal zum Nachdenken gebracht, ob meine Haltung die einzig richtige ist. Es gibt eben viele Wahrheiten. Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, dass es gut sein könnte, eine bestimmte Ausgaben-Grenze im Monat festzulegen. Wenn die erreicht ist, ist das Budget eben erschöpft.
Dann habe ich darauf gewartet, dass mir ein Mädchen vermittelt wurde. Das dauerte leider eine Weile, aber schließlich sollte es von den Interessen her auch zu mir passen, und da muss man etwas Geduld mitbringen.
Mitte März war es soweit: Eine Mitarbeiterin von Big Brothers Big Sisters Deutschland fragte mich, ob ich gern eine 15-Jährige treffen würde, deren Vater alleinerziehend ist. Sie beschrieb das Mädchen, und ich hatte gleich das Gefühl, das könnte gut passen.
Vor dem ersten Treffen war ich trotzdem ziemlich aufgeregt: Natürlich fragt man sich, ob die Chemie stimmen wird. Am folgenden Sonntagnachmittag hat uns die Mitarbeiterin des Mentorenprogramms miteinander bekannt gemacht. Wir fanden uns gleich sympathisch. Ich habe dem Mädchen von meinen Hobbys erzählt: Radfahren, Walken und Lesen. Sabine hat mir ihre Hamster gezeigt. Wir haben festgestellt, dass wir beide die Natur lieben. Das nächste Treffen haben wir gleich für die folgende Woche vereinbart. Dabei hat sie mir die Gegend gezeigt, in der sie lebt. Unterwegs hat sie viel erzählt, zum Beispiel von der Schule.
Beim zweiten Treffen haben wir einen Pferdehof in Dudenhofen besucht, deren Besitzerin ich kenne. Sabine liebt Pferde und hat viel Spaß daran, sie zu striegeln. Beim dritten Mal haben wir eine große Radtour in die Auwälder gemacht und Bärlauch gesammelt. Daraus habe ich Bärlauchpesto gemacht, und wir werden demnächst zusammen Nudeln dazu kochen.
Sabine wartet häufig schon auf mich, wenn ich sie abhole. Ich spüre, dass sie sich immer auf unsere gemeinsamen Unternehmungen freut, und mir geht es genauso. Ich kann vorher den größten Stress gehabt haben, aber von unseren Treffen komme ich immer entspannt nach Hause. Im Moment habe ich das Gefühl, ich bekomme mehr zurück, als ich gebe.


Elgin F.-S., Personalfachkauffrau, 53 Jahre, Speyer

"Voll gut"

Ilknur und ihre Mentorin Carla bilden ein Tandem in Mannheim.

„Ich freu mich immer, wenn Carla kommt. Dann ist es nie langweilig. Wir machen immer tolle Sachen zusammen“, sagt Ilknur und strahlt. Die Elfjährige hat seit Mitte Januar eine Mentorin: Carla. Sie hat das Mädchen an diesem sonnigen Spätnachmittag in den Osterferien abgeholt, um mit ihr Federball auf den Neckarwiesen zu spielen. Ilknur hält zum ersten Mal einen solchen Schläger in der Hand und freut sich, wenn es ihr gelingt, den Federball über Carla hinweg fliegen zu lassen.
„Ich hatte schon länger nach einer Möglichkeit gesucht, mich ehrenamtlich zu engagieren“, erzählt die Mentorin. Die wissenschaftliche Angestellte an der Universität Mannheim erfuhr, dass es Big Brothers Big Sisters jetzt auch in Deutschland gibt, zögerte sie nicht lange, sich anzumelden, da sie Mentorenprogramme für Kinder schon aus den USA kannte.
Carla durchlief dann das übliche Aufnahmeverfahren: Führungszeugnis, drei Empfehlungen aus dem privaten und beruflichen Umfeld, ein ausführliches persönliches Gespräch. „Da wurde genau geprüft, ob ich es auch wirklich ernst meine mit dem Engagement“, berichtet die 28-Jährige. „Aber das fand ich gut. Schließlich ist es eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, Mentorin für ein junges Mädchen zu sein.“
Als die Mitarbeiterin von Big Brothers Big Sisters Deutschland sie der Familie von Ilknur vorstellte, war es Sympathie auf den ersten Blick. Das türkische Mädchen erinnert sich noch genau an das erste Treffen zu zweit: „Wir wollten eigentlich Schlittschuh laufen, aber Carla hatte die Uhrzeit falsch gelesen. Die Eishalle war zu. Also sind wir in die Stadtbücherei gegangen. Da haben wir vier tolle Bücher ausgeliehen für mein Referat über Marienkäfer. Ich dachte immer, es gibt nur welche mit Punkten, aber es gibt ja auch welche ohne Punkte.“ Eislaufen sind die beiden dann bei ihrem zweiten Treffen gegangen.
Auch in der „langen Nacht der Museen“ in Mannheim waren sie zu zweit unterwegs, haben Handpuppen gebastelt und gemeinsam getöpfert. „Das war voll gut“, schwärmt Ilknur. Aber es müssen nicht immer Highlights sein. Einmal hat sie mit ihrer Mentorin das Referat über die Marienkäfer geübt und in der Schule eine gute Note dafür bekommen. Darüber freut sich das Mädchen noch heute – ebenso wie ihre Eltern. Sie sehen die Mentorin als hilfreiche Unterstützung für ihre Tochter.
Carla beschreibt ihre Rolle so: „Ich versuche nicht, Ilknur irgendwie zu formen oder ihr zu sagen, was sie tun soll. Meistens höre ich mehr zu.“ Und sie macht Vorschläge, was beide zusammen unternehmen könnten. Dabei versucht die „große Schwester“ eine gute Mischung zu finden aus einfachen Aktivitäten wie Federballspielen, die das junge Mädchen sonst nicht macht, und Dingen, die auch mal etwas kosten wie ein Kinobesuch. Ihr Fazit nach den ersten Monaten: „Ilknur macht es Spaß. Und mir macht es auch Spaß, etwas anderes zu erleben als den Joballtag.“

Mit wenig Aufwand viel bewegen

Eine Mentorin erzählt dem Münchener Radiosender M94,5 von ihren Erfahrungen. Jetzt anhören.